Meine Chiemgau King Gold Fahrt im Juni 2021
Der Chiemgau King
(https://chiemgau-king.com)
ist eine Tour mit 168 km und 4.629 Höhenmetern im Chiemgau, ganz im Süd-Osten von Deutschland.
Fährt man die Tour an drei Tagen, gibt es eine bronzene Krone;
an zwei Tagen, gibt es eine silberne Krone;
fährt man die komplette Tour jedoch an einem einzigen Tag, bekommt man eine goldene Krone.
(Das Layout der Kronenzacken ist übrigens das Höhenprofil der Tour.)
Damit man auch wirklich die komplette Tour fährt, bekommt man eine Stempelkarte, die man an verschiedenen Checkpoints abstempeln muss.
Nachdem mit der Corona-Pandemie, den Lockdowns und all den Einschränkungen die meisten Mountainbike-Rennen 2021 entweder um mehrere Monate verschoben oder komplett abgesagt wurden, hatte ich überlegt, was ich alternativ machen könnte. Da hatte ich vom Chiemgau King gelesen und mir gedacht: Das ist eine tolle Herausforderung und ich möchte sie meistern, ohne mich explizit darauf vorzubereiten. Zu der Zeit hatte ich mir Trainingspläne, die mich auf die Rennen vorbereiten sollten, von einer Firma erstellen lassen. Ich hatte jedoch meiner Trainerin Johanna sehr lange nichts von meinem Vorhaben erzählt, damit das Training weiterhin für die Rennen ausgerichtet bleibt und der Chiemgau King, mit seinen ganz anderen Anforderungen als ein Rennen, weiterhin eine echte Challenge ist.
Erst wenige Tage vorher erzählte ich Johanna von meinem Vorhaben, um Ratschläge für meine Energieversorgung (Nutrition) zu bekommen: Ich sollte mir im Supermarkt Frischhaltebeutel kaufen und zwölf mit je 60 g Kohlenhydraten, einer Kapsel Salt Caps befüllen sowie zehn Gels einstecken. Außerdem hatte ich natürlich meine beiden Trinkflaschen dabei, die ich bei jeder Gelegenheit mit Wasser und dem Inhalt von einem Frischhaltebeutel auffüllen sollte.
Die Strecke ist wie eine Acht und besteht aus einem kleineren und einem größeren Rundkurs.
Bereits neun Monate zuvor, als ich erstmalig vom Chiemgau King hörte, es jedoch noch nicht mein Ziel war, bin ich
den kleineren Rundkurs abgefahren. So konnte ich mich erstmalig orientieren und hatte diesen Abschnitt auch mit meiner GoPro aufgenommen.
Weil ich nicht genau wusste, wie lange ich unterwegs sein werde, wollte ich einen möglichst langen Tag bzw. möglichst viel Tageslicht zur Verfügung haben. Deshalb hatte ich mir den 15. Juni 2021 ausgesucht, sprich kurz vor der Sommersonnenwende, wo die Sonne erst sehr spät untergeht.
Da ich die kleine Runde bereits 2020 gefahren bin, hatte ich mir überlegt, beim Chiemgau King zuerst die große, mir noch unbekannte Runde zu fahren und stets zu wissen, was mich anschließend auf der kleinen, 53 km Runde erwartet.
So bin ich gegen 9:11 Uhr von Ruhpolding gestartet. Als erstes musste ich die BRÜNDLING ALM ansteuern, zu der es teilweise 20 % Berg auf ging.
Oben angekommen, konnte ich das erste Mal meine Karte abstempeln. Allerdings gab es keine Quelle oder keinen Brunnen, wo ich meine Trinkflaschen auffüllen konnte. Ich hätte in der Alm fragen sollen...
Auf den Metern danach wurde es dann gleich kompliziert: Erst führte der Weg über einen unscheinbaren Wiesenweg, dann folgte eine steile und schwierige Schiebe-/Tragepassage Berg ab und zu guter Letzt verlor mein Navi noch das GPS-Signal, sodass ich eigentlich alles richtig gemacht hatte, das Navi mich jedoch ganz woanders anzeigte und mich total verwirrte. (Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich die Strecke von 2020 gefahren bin, es für 2021 bei dem Abschnitt jedoch eine deutlich einfachere Route gab.)
Es folgte eine Abfahrt, bei der mir an einem Zwischenanstieg die Kette abgesprungen war - zum Glück blieb es an dem Tag bei diesem einen Mal.
Die Ebene auf Chiemsee-Niveau hatte für mich überraschend dann doch den einen oder anderen Höhenmeter - die wenigen Hügel, die es gab, mussten auch bezwungen werden.
Es folgte die nächste Station, wo ich meine Karte wieder abstempeln konnte: TORFBAHNHOF.
Mittlerweile waren beide Trinkflaschen leer und es war weit und breit keine Möglichkeit, zum Auffüllen.
Ich passierte Bernau, dann ging es wieder in den nächsten Anstieg.
Kurz bevor ich die ersten 40 km voll hatte, holte mich eine Gruppe Damen ein, die auf eBikes unterwegs waren. Sie fragten, ob sie mich schieben sollen, und ich lehnte ab, denn ich wollte den Chiemgau King wirklich ohne Hilfe fahren. Sie fragten, wie es so läuft und ich antwortete, dass ich gerade erst bei Kilometer 40 bin, ich meine leeren Trinkflaschen jedoch schon eine Weile spazieren fahre, und wohl noch eine Weile leer spazieren fahren werde. Da bot mir eine der Damen sofort an, das Wasser aus ihrer Trinkblase in meine Flaschen umzufüllen. Ich überlegte zunächst und fragte mehrmals nach, ob das wirklich ok für sie sei. Sie meinte, sie fährt eh nicht "bio", ist also gar nicht auf das Wasser angewiesen. Also haben wir angehalten und ich hatte meine Flaschen aufgefüllt. War absolut die richtige Entscheidung, denn sowohl die Temperaturen als auch die Steigung wurden immer höher.
Ganz oben wurde es so richtig steil, bevor ich endlich die STEINLING ALM erreichte und meinen dritten Stempel stempeln konnte. Da oben gab es leider ebenfalls keine Quelle, um meine Trinkflaschen aufzufüllen. Hatte das was mit der Corona-Pandemie zu tun?
Was ich vorher mühsam an Höhenmetern hochgekurbelt war, konnte ich nun im Geschwindigkeitsrausch wieder vernichten. Ich war echt froh, mich 2015, als ich mein Bike gekauft hatte, für diese guten Bremsen (Magura MT8) entschieden zu haben, denn trotz immer wieder hartem Verzögern und einigen Close Calls gab es kein Fading oder sonst was - sie haben einfach permanent wie erwartet funktioniert.
Bei Kilometer 50 gab es am Wegrand eine Quelle bei der ich anhielt und die Gelegenheit nutzte, meine Flaschen erneut aufzufüllen.
Weiter ging es mal Berg auf, mal Berg ab, bis bei Kilometer 58 der Checkpoint an der STAFFN ALM folgte und ich meine Karte erneut abstempeln konnte. Puh, gerade mal 58 km, also ungefähr ein Drittel des Chiemgau King. Irgendwie zog sich das alles mehr, als ich dachte. Vor allem hatte der Anstieg hinauf zur Steinling Alm unglaublich viel Kraft gekostet und ich merkte, dass ich ab jetzt unbedingt mit meinen Kräften haushalten musste.
Die Strecke führte hinunter nach Marquartstein - kurz vorher konnte ich an einer weiteren Quelle nochmals beide Trinkflaschen auffüllen. Auf der anderen Seite der Tiroler Achen dann wieder rein in den Berg. Die Sonne stand hoch, die Temperaturen waren hoch, der Anstieg war... steil - nur noch "erster Gang Standgas", mehr konnte ich mir nicht erlauben, auch wenn ich wusste, dass ich von der großen Runde gerade den vorletzten Berg bezwang und auf der kleinen Runde nur noch ein einziger großer Berg auf mich wartete. Das motivierte mich jedoch besonders.
Oben bei der JOCHBERG ALM angekommen, konnte ich meine Karte ein weiteres Mal abstempeln. Außerdem nahm ich mir die Zeit, kurz Pause zu machen und mit einem kleinen Kätzchen zu spielen. Bevor ich mich wieder auf den Weg machte, fragte ich die Wirtsleute, ob es irgendwo auf der Alm eine Quelle zum Auffüllen meiner Trinkflaschen gäbe. Gab es nicht, dafür nahm ich das Angebot dankend an, meine Trinkflaschen drinnen im Haus am Wasserhahn auffüllen zu lassen.
Die Abfahrt hinunter zum Weitsee, vor allem das letzte Stück entlang dem Großen Wappbach war traumhaft und hat sehr viel Spaß gemacht.
Unten angekommen, gab es ein paar Kilometer in der Ebene abzuspulen, bevor es hinauf zur WINKLMOOS ALM ging, wo ich mir den nächsten Stempel holte.
Danach folgte zunächst eine einfache und schnelle Abfahrt, bevor man an einem der schönsten, jedoch auch schwierigsten Abschnitte des Chiemgau King kam: Der Weg am Fischbach bzw. am Wasserfall "Staubfall". Hier gilt es, das Rad zu schieben und zu tragen. Auch die nächsten Meter sind alles andere als einfach zu fahren. Ich hab keine Ahnung, wie eBiker diese schwierige Passage meistern.
Danach kann man jedoch wieder zügig fahren und sich den nächsten Stempel an der CHIEMGAU ARENA abholen.
Weiter ging es zurück nach Ruhpolding, wo ich an meinem Auto mit vorbereiteten Flaschen meine Trinkflaschen auffüllte. Hatte sich tatsächlich bezahlt gemacht, dass ich daran dachte, im Auto Flüssigkeit zu platzieren.
Nun folgte die kleine Runde, die ich bereits kannte. Ich konnte beispielsweise den Trail auf den ersten Kilometern tatsächlich schneller fahren.
Der Nächste Checkpoint war bei MARIA ECK - Kilometer 121 und es war mittlerweile gegen 18:00 Uhr. Es waren so gut wie keine Menschen mehr unterwegs - vielleicht war ein Fußballspiel der Europameisterschaft. Jedenfalls konnte ich es krachen lassen: 68,2 km/h war meine Höchstgeschwindigkeit von Maria Eck hinunter.
Weiter ging es über Siegsdorf hinauf auf den Teisenberg. Der Anstieg war zunächst ok für mich, doch dann wurde es immer steiler. Ich machte kurz Pause, nahm ein Gel und holte die letzten Tropfen Flüssigkeit aus meinen Trinkflaschen, doch etwas später ging nichts mehr - ich musste schieben, weil meine Beine absolut keine Kraft mehr hatten. Nach 5 min zu Fuß konnte ich wieder aufs Rad steigen und weiter fahren. Es folgte eine steile Rampe, die ich überraschend schaffte, gefolgt von einem Trail mit Höhenmetern.
Danach war endlich der nächste Checkpoint zu sehen, lediglich eine Kuh versperrte mir noch den Weg. An der STOIßER ALM angekommen, konnte ich mir den vorletzten Stempel abholen, außerdem nochmals meine beiden Trinkflaschen auffüllen und ein weiteres Gel nehmen - wie sich im Nachhinein herausstellte, war es mein letztes Gel von ursprünglich zehn.
Von dort oben bis zurück nach Ruhpolding ging es hauptsächlich bergab - es gab nur noch wenige Höhenmeter zu bezwingen. Ich war allerdings etwas übermotiviert, vor der Abfahrt die Hintergrundbeleuchtung von meinem Navi dauerhaft zu aktivieren. Ich konnte dadurch zwar im Wald gut navigieren, jedoch kostete es wertvollen Akku, sodass ich irgendwann bei 4 % die Beleuchtung komplett ausschaltete, auch wenn es mittlerweile dämmerte. Mir war es wichtig, die Aktivität komplett getrackt zu haben. Drum gab ich auf den letzten Kilometern auch noch mal Stoff, denn zu verlieren hatte ich nichts mehr.
Ach ja, zwischen durch an der KESSEL ALM holte ich mir meinen letzten der zehn Stempel.
Nach 11:48:06 h, sprich um 20:59 Uhr kam ich in Ruhpolding an, mein Navi hatte noch 2 % Akku.
Ich war echt fertig und hatte mich sehr gefreut, dass ich es tatsächlich geschafft hatte. Am Auto hatte ich mir schnell eine Jacke übergezogen, damit ich für meine Krönung und auf den Fotos nicht all zu mitgenommen aussah. Ich ratschte dann noch lange mit dem Vater (?) von Andreas Huber, bevor ich mich auf den Heimweg machte.
- Distanz: 169,12 km
- Höhenmeter: 4.562 Höhenmeter
- Durchschnittsgeschwindigkeit insgesamt: 14,3 km/h
- Durchschnittsgeschwindigkeit in Bewegung: 16,6 km/h
- Zeit insgesamt: 11:48:06 h
- Zeit in Bewegung: 10:10:33 h
- Minimale Höhe: 529 m
- Maximale Höhe: 1.423 m
- Durchschnittspuls: 141 bpm
- Maximalpuls: 177 bpm
Meine Tipps für alle, die ebenfalls den Chiemgau King machen wollen:
- wählt einen Tag mit möglichst langer Helligkeit
- fahrt so früh wie möglich los
- wählt einen Tag mit bewölktem Himmel
- fahrt die kleine Runde - wenn möglich - vorher mal ab
- fahrt zuerst die Große Runde, anschließend die kleine
- parkt euer Auto in Ruhpolding und startet von dort. Wenn ihr die eine Runde absolviert habt, könnt ihr am Auto Trinkflaschen und anderen Vorrat auffüllen
- plant mit mindestens zehn Gels und bereitet euch zwölf Beutel mit Kohlenhydratpulver sowie je einer Priese Salz vor
- fragt bei jeder Alm, ob ihr eure Trinkflasche auffüllen könnt - Flüssigkeit ist wirklich essentiell
https://connect.garmin.com/app/activity/6965597949
Meine Chiemgau King Gold Fahrt - Alex kurz bevor er sich auf den Weg macht
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Meine Chiemgau King Gold Fahrt - Alex mit goldener Krone
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Meine Chiemgau King Gold Fahrt - Alex mit goldener Krone
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Meine Chiemgau King Gold Fahrt - Alex mit goldener Krone
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Meine Chiemgau King Gold Fahrt - das Equipment für die Versorgung (Nutrition)
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